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Erstbegehung: Exile on Main Street - Gross Grünhorn 4044m

Erstbegehung: 12. Mai 2018/ Stephan Ruoss, Dani Arnold
1.Versuch: 29. März 2017/ Mario Walder, Dani Arnold

Exile on Main Street: M7, 6b+, 600m

 

Fast jeder kennt das Berner Oberland. Vor allem die Jungfrauregion. Unzählige Bergsteiger, Skitourengeher, Kletterer, Wanderer und viele Touristen. Kein Wunder zieht es immer so viele Leute dorthin. Eine atemberaubende Landschaft und der Zugang mit der Jungfraubahn ist bequem und schnell. Dort soll es noch eine komplette Wand geben, die noch nicht bestiegen ist!?
Als ich das zum ersten Mal gehört habe, dachte ich an einen Witz. Ich erhielt ein Mail von Christoph Blum. Er meinte, das wäre doch etwas für mich. Und das war tatsächlich etwas für mich!
Unser erster Versuch scheiterte jedoch im letzten Jahr. Mit Mario Walder ging ich Ende März einen Augenschein nehmen. Den vielen Pulverschnee und die grossen Schwierigkeiten haben wir nicht erwartet und wir haben beschlossen umzudrehen.

Klar war ich sehr enttäuscht. Ich finde es aber sehr wichtig auch einmal „Nein“ zu sagen. Wenn es nicht stimmt und die Verhältnisse schlecht sind, macht es keinen Sinn weiterzugehen. Dabei spielt es keine Rolle wie viel Aufwand schon betrieben worden ist. Immerhin muss man einen Tag für den Zustieg rechnen und dann einen weiteren für das Zurückkommen.

Dieses Jahr hat es dann geklappt. Mit meinem Freund Stephan Ruoss versuchte ich es erneut. Dieses Mal waren wir besser vorbereitet. Das richtige Material für die Schwierigkeiten und der spätere Termin im Frühling, damit der Schnee besser gesetzt war, hat sich als passend erwiesen.
Die Wetterprognosen waren vielversprechend. Etwas erstaunt waren wir beiden dann beim Start auf der Finsteraarhornhütte, weil keine Sterne zu sehen waren. „Das kommt dann schon noch“, waren wir uns einig. Die Wolken und der Nebel blieben aber hartnäckig. Dafür waren die Temperaturen und die Schnee recht gut zum Klettern. Der untere Teil der Wand war nicht so steil. Wir kamen gut voran und gewannen rasch an Höhe. Der Punkt, an welchem wir im letzten Jahr umdrehten, war schnell erreicht. Jetzt waren wir auch nicht mehr so beeindruckt von der steilen Wand über uns. Kletterfinken anziehen und los ging's. Ein leicht überhängender Riss gefolgt von schöner Kletterei in meist gutem Fels bereitete uns viel Spass. Unsere Taktik, dass Steph mit Steigklemmen nachgestiegen ist, war sehr gut. Das Problem war aber der scharfe Fels. So ging es nicht lange und unser Einfachseil hatte einen grossen Schaden. Der Mantel war fast durchgescheuert. Zum Glück hatten wir ein etwas dickeres Seil gewählt!

Nach den ersten 50 Metern in der Steilwand wurde es etwas weniger geneigt. Leider ist dort die Qualität vom Fels nicht mehr die beste. Viele Schuppen und kleine Pfeiler, welche sicher nicht für die Ewigkeit dort bleiben, mussten vorsichtig erstiegen werden. Dann standen wir vor einer kleinen Klagemauer, etwa 6 Meter hoch. Keine guten Griffe und sehr ausgesetzt musste ich links rausklettern. Der Schlaghaken in der Mitte war nicht top, er gab aber etwas Vertrauen und so konnten wir die letzte schwierige Stelle überwinden. Der Ausstieg befindet sich nur gerade 30 Meter nördlich der Gipfels. Der Nebel war immer noch da. Das störte uns beide aber nicht mehr. Wir hatten es geschafft! Eine direkte neue Route auf das Gross Grünhorn ist uns gelungen. In Anlehnung an die vielen Leute in der Region tauften wir unsere Route „Exile on Main Street“

Das Abseilen war dann kein Problem mehr, auch wenn es wegen unserm kaputten Seil bei jeder Abseillänge etwas Improvisationstalent beim Knoten brauchte.

Die Stände haben wir jeweils mit einem Bohrhaken ausgerüstet, sonst gibt es noch drei Normalhaken in der Wand. Somit ist auch für Wiederholer für etwas Abenteuer gesorgt.