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Schweizernase: Erstbegehung:14.-17. März

Älteren Bergsteigern erging es noch besser. Es gab viele unbestiegene Berge und noch nicht begangene Routen. Das stimmt zum Glück nur teilweise, klar sind die meisten Berge schon erklommen, jedoch gibt es noch ganz viel Potenzial für grosse Abenteuer. Und ich spreche nicht von einem unbekannten, abgelegenen und kaum zu erreichenden Berg, sondern vom Matterhorn.
Nordwände finde ich toll, sie sind schwierig, steil und nicht selten entschieden sie bei ihrer Erstbegehung über Sein oder nicht Sein der Bergsteiger. Ich hatte schon seit längerer Zeit in der Region von der Zmuttnase einen Riss gesehen. Nicht etwa eine kurze, unbedeutende Variante zu anderen Routen, sondern eine direkte Linie durch eine langgezogene überhängende Wandzone in der Matterhorn Nordwand.
Ich wusste jedoch, dass das ein sehr grosses Projekt für mich ist. Als Alexander Huber auch genau in diesem Teil der Wand etwas machen wollte, hatte ich natürlich meinen Partner gefunden. Ich zeigte Alexander einige Bilder und er war sofort begeistert von meiner Idee.

Mitte März stand eine Woche mit Hochdruckwetter an. Wir starteten unser Unternehmen. Mit dabei war zusätzlich Thomas Senf. Frühmorgens am 15. März gingen wir von der Hörnlihütte zur Nordwand rüber. Genau die gleiche Stecke, welche ich auch vor zwei Jahren zurücklegte, beim neuen Speedrekord der Schmidroute in 1h 46`. Diesmal war nicht mehr die klassische Route, sondern weiter rechts eine neue Route, das Ziel. Der ganze untere Teil kletterten wir auf der Gogna- Route. Ab dem Punkt, wo Alessandro Gogna 1969 nach rechts querte, wollten wir gerade hoch. Aber nicht mehr an diesem Tag, denn es begann schon einzudunkeln und wir krochen nach einem „exklusiven 4-Gang-Menü“ in unsere Schlafsäcke. Zur Biwaknacht gibt es nicht viel zu sagen. Es war wie man es sich etwa vorstellt in einer steilen Wand, auf einem kleinen Band, in einem dünnen Schlafsack im Winter!
Am nächsten Morgen war Alexander nicht sicher, ob wir unser ganzes Material mitnehmen sollten und ob wir es zum Gipfel schaffen würden. Thomas und ich waren zuversichtlicher.
Uns allen war klar, dass wir unsere Route im steilen Teil nur technisch klettern können. Das heisst mit Leitern, Klemmkeilen, Haken, Friends und Keilen. Das war genau das Gelände für Alexander. Nach etwa zwei Stunden war er oberhalb des Daches. Wir hörten einen Schrei der Erleichterung und wussten: Er hat es geschafft! Anschliessend wurde das Gelände wieder flacher. Für diese Seillängen bohrten wir zwei Zwischensicherungen und zwei Stände ein.
So standen wir nun alle auf dieser fulminanten Nase. So steile und ausgesetzte Plätze gibt es nicht viele in den Alpen!
Weiter ging es dann im klassischen Gelände. Nach etwa fünf Stunden erreichten wir ein wenig müde und erleichtert den Gipfel. Der Wind und die tiefen Temperaturen erinnerten uns daran, dass es eigentlich noch Winter ist. Überglücklich standen wir dann auf dem Gipfel. Eine solche Linie durch eine grosse Wand, an einem weltbekannten Berg als Erste geklettert zu haben, machte uns alle sehr stolz. Es zeigte sich einmal mehr, dass es auch im Jahr 2017 noch genug Platz für grosse Abenteuer in den Bergen gibt...